Was Schiller in seiner Philosophie des Schönen zu vereinen trachtete, war nichts Geringeres als Liebe und Gesetz, Pflicht und Glück. Während Kant, beeinflußt von der kirchlich protestantischen Lehre, den Menschen für ursprünglich schlecht hielt und bei allen Forderungen von diesem Standpunkt ausging, war Schiller von dem Idealbild eines gol denen Zeitalters in Griechenland erfällt und zog dar aus den Schluß, daß wir in einer kommenden dritten Kulturstufe wieder ein solches Zeitalter erreichen könnten. Dort würde sodann die Triebfeder des Sittlichen nicht mehr, wie Kant lehrte, ein harter "kategorischer Imperativ der Pflicht sein, sondern eine sanfte Herzensneigung zum harmonischen Ein klang aller Dinge. Ein klares und reines Schönheits gefühl sollte dahin führen, daß es keine ungern er tragene, verhaßte Pflicht mehr gäbe und daß alles Gute aus freiem Willen, ja aus unwiderstehlicher Neigung geschähe.